News

03.10.15 - 1. Herren

Sportschulen, Spartakiaden und Bananen

25 Jahre Einheit: Der Augustdorfer Handball-Torwart Ronny Krüger erinnert sich an seine sportliche Zeit in der ehemaligen DDR und sagt, was es mit der Trikotnummer 61 auf sich hat



[+] Bild vergößern
Seit zwölf Jahren hütet Ronny Krüger das Tor des jetzigen Handball-Oberligisten HSG Augustdorf / Hövelhof. Seine Kindheit und Jugendzeit verbrachte er bei Vereinen in der ehemaligen DDR. Der 41-Jährige blickt zurück auf die Zeit vor der Wende und äußert sich über die Entwicklung des Sports in den vergangenen 25 Jahren.

Das sind tolle Erinnerungen an Ihre Handball-Zeit, die Sie da in einem Album mitbringen?
Ronny Krüger: Die Bilder hat mein Opa aufbewahrt.

Diese zeigen Sie im Torwart-Dress der ersten gesamtdeutschen Jugend-Nationalmannschaft. Torwart, wie kam es dazu?
Krüger: Ich bin erst mit zwölf Jahren bei meinem Heimatverein SG Fortschritt Burg angefangen, Handball zu spielen. Da andere schon länger dabei waren, haben sie mich ins Tor gestellt.

Das war keine schlechte Idee.
Krüger: Ein Jahr später bin ich an die Kinder- und Jugendsportschule (KJS) des SC Magdeburg gekommen. Einem Internat mit Vollverpflegung. Schule und Sport waren aufeinander abgestimmt. Insgesamt hatten wir acht Trainingseinheiten pro Woche, davon waren einmal Schwimmen, einmal Turnen und einmal Leichtathletik.

Sie haben sozusagen alle Jugendklassen durchlaufen. Wie ging es dann weiter?
Krüger: Wenn du sportlich ausgewählt worden warst, gab es beim SC Magdeburg drei berufliche Optionen: Kfz-Mechaniker, Maschinenanlagemonteur oder Abitur. Ich habe mich für das Abi entschieden.

Wie haben Sie die Zeit des Mauerfalls und der Wiedervereinigung erlebt?
Krüger: Für mich als 15-, 16-Jähriger hatte sich nicht viel geändert. Wir waren in Burg zu Hause, nah an Helmstedt. Die A2 war in der Wahrnehmung sehr präsent.

Politisch haben Sie sich nicht so viele Gedanken gemacht?
Krüger: Wenig. Ich habe an Spartakiaden, den Jugendsportfesten, teilgenommen. Da mussten wir als Teilnehmer an der Regierung vorbei marschieren. Ansonsten ist mir in Erinnerung geblieben, dass wir in der achten Klasse gesagt bekommen haben, keine Bananenschalen in Mülleimer in Wohngebieten zu werfen.

Es sollte nicht auffallen, dass Sportschüler Bananen essen...
Krüger: Klar, außerhalb des Sportschul-Geländes gab es Bananen nicht so oft.

Wie sah es mit dem Sport in der ehemaligen DDR aus?
Krüger: Heute wird viel über die Rahmenbedingungen, wie offene Ganztagsschulen, die das Vereinsleben schädigen würden, geredet. Ich kann nur sagen: Bei uns war es nicht anders. Du bist bis 16 Uhr in den Hort gegangen, danach zum Sport.

Ist die Kritik am Ganztag zu stark?
Krüger: Ja, schon. Grundsätzlich finde ich: Sport und Schule schließen sich nicht automatisch aus. Aktives Vereinsleben gibt jedem Kind viel Positives für die persönliche Entwicklung mit.

Welche Unterschiede haben Sie direkt nach der Wende ausgemacht?
Krüger: Im Ergebnis gab es keine großen Unterschiede. Wichtig ist es zu betonen: Ich spreche hier über eine Mannschaftssportart. Nach dem Casting für die erste gesamtdeutsche Handball-Jugendnationalmannschaft 1990 standen 50 Prozent aus den alten und 50 Prozent aus den neuen Bundesländern im Kader.

Wie hat sich der Sport seit 1990 entwickelt?
Krüger: Als Vater bin ich ein Fan von sportlichen Aktivitäten jeglicher Art. Aber es ist schwierig, Leute zu finden, die das in die Hand nehmen - wie Übungsleiter oder ehrenamtliche Helfer. Die Verbände versuchen viel. Was anders als früher ist: Heute ist es notwendig, dass Vereine in Schulen gehen müssen, um ihr Angebot zu unterbreiten.

Und dann wird diskutiert, ob Bundesjugendspiele sinnvoll sind?
Krüger: Es steht und fällt mit der Bereitschaft von Leuten und Lehrern, die es organisieren. Man muss froh über jeden sein, der mit anpackt. Deshalb haben diejenigen, die jetzt aktiv sind, eine Vorbildfunktion, die sie weitergeben müssen. Mein Motto: Einfach mal machen. Es gibt nichts Schlimmeres, als es nicht zu machen.

Zum Abschluss die Frage: Sie tragen seit einigen Jahren grundsätzlich die Nummer 61 auf dem Trikot. Was hat es damit auf sich?
Krüger: Böse Zungen behaupten ja, das ist mein Jahrgang. Nein, zu meiner Bernburger Zeit war die 16 - die Torwart-Nummer - an einen Feldspieler vergeben. Da habe ich die Ziffern getauscht.

Das Interview führte LZ-Redakteur Oliver König.

Quelle: LZ vom 03.10.15 (Oliver König)

Dieser Eintrag wird präsentiert von

ELHA
SRT
ISOTEC
Rennerich
Zurück

Sponsoren

Modehaus Schlichting

Galerie

In der Galerie sind 4037 Fotos von 240 Spielen und Events.
26.10.2019: Team HandbALL - TuS Spenge
21.09.2019: Team HandbALL - TuS Volmetal

Besucher

Gesamt:
4.755.559
Heute:
176
Gestern:
238
Jetzt online:
1
max am Tag:
8.257
max online:
137
© HSG Augustdorf / Hövelhof 2001 - 2022 - Datenschutzerklärung - Impressum