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23.02.07 - 1. Herren

Interview mit Teamchef Stephan Neitzel

Nach Insolvenzantrag der HSG Augustdorf/Hövelhof


In den letzten Tagen sind bei der HSG Augustdorf/Hövelhof Dinge vorgefallen, deren Sinn sich erst jetzt erschließen: Zunächst durfte mit Andre Kropp vor Wechselfrist einer der wichtigsten Spieler des Teams von Diethard von Boenigk die HSG verlassen, ohne das ein Neuzugang verpflichtet wurde. Nicht nur beim Trainer kam Rätselraten auf, wie denn der Abstieg nach diesem Aderlass verhindert werden sollte. Gestern wurde dann das Augustdorfer Forum gesperrt und auch der Link zum Forum auf der Homepage der HSG entfernt. Im Laufe des Tages bestätigten sich dann erste Gerüchte, die bereits im Umlauf waren: Die HSG Augustdorf/Hövelhof hat Insolvenz angemeldet. Teamchef und stellvertretender Bundesliga-Obmann Stephan Neitzel stellte sich, trotz des langen Tages mit Krisensitzungen, am späten Abend telefonisch den Fragen von handball-world.com.

Herr Neitzel, wann hat die HSG das Insolvenzverfahren beantragt?

Stephan Neitzel:
Die Insolvenz wurde heute Morgen beim Amtsgericht Detmold beantragt. Dies wurde nötig, weil aus heutiger Sicht zum Ende der Saison ein großer fünfstelliger Fehlbetrag aufgelaufen wäre. Da außer den Spielergehältern für den Monat Januar bisher keine sonstigen Verbindlichkeiten angefallen sind, hat die Geschäftsführung mit dem Antrag zu diesem Zeitpunkt verantwortungsvoll gehandelt. Damit eröffnet sich die Chance, die anstehenden Probleme frühzeitig in Angriff nehmen zu können und Schlimmeres zu vermeiden.

Wie kam es dazu?

Stephan Neitzel:
Es gibt verschiedene Ursachen. Zunächst sind uns Sponsoren ausgefallen, was wir nicht mit neuen Sponsoren kompensieren konnten. Davon betroffen ist nicht unser Hauptsponsor; der steht weiterhin uneingeschränkt zu uns. Leider entspricht auch die Anzahl der Zuschauer bei den Spielen nicht den Planungen. Die tatsächliche Kalkulation liegt bei 580 Zuschauern. Leider bleiben wir aber mit knapp 500 Zuschauern leicht hinter den Erwartungen zurück. Davon betroffen ist nicht nur der Bereich der Eintrittsgelder, sondern auch der der Gastronomie, deren Erträge natürlich auch nicht den Planungen entsprechen können. Um perspektivisch für die Zukunft planen und in der Liga mithalten zu können, wäre es wünschenswert, wir hätten im Schnitt 800 Zuschauer. Unter dem Strich müssen wir also feststellen, dass das Umfeld und die Struktur für Zweitligahandball in Augustdorf fehlen.

Wie geht es mit dem Spielbetrieb weiter?

Stephan Neitzel:
Zunächst einmal sind wir sehr froh, das wir mit Herrn Oliver Schulte aus Detmold schon Stunden nach dem Insolvenzantrag einen Insolvenzverwalter bekommen haben, der alles stehen und liegen gelassen hat, um uns in dieser brenzligen Situation zu helfen. Das ist nicht selbstverständlich es gibt Unternehmen, die in einer solchen Situation nicht innerhalb von Stunden mit einem Insolvenzverwalter rechnen können. Nach ersten Gesprächen mit Herrn Schulte können wir guten Gewissens sagen, das der Spielbetrieb bis Ende März gesichert ist. Damit ist auch das kommende Heimspiel gegen Bernburg gesichert. Ob es über den März hinaus gelingt, den Spielbetrieb bis zum Ende der Saison Aufrecht erhalten können, ist fraglich. Ich sehe da aber gute Chancen. Herr Schulte muss sich jetzt aber erst einmal in die Materie der HSG einarbeiten. Dann sehen wir weiter. Aber wie gesagt: Ich sehe da gute Chancen.

Die Spitze des Vereins hat ja heute lange zusammen gesessen und versucht Auswege aus der schwierigen Situation zu finden. Wie geht es nach der Saison weiter?

Stephan Neitzel:
Nun, unsere sportliche Situation ist eindeutig und ein Abstieg kaum zu vermeiden - unabhängig vom Insolvenzverfahren. Unser Wunsch ist, uns sportlich geordnet zurückzuziehen. Dies ist nicht nur in unserem Interesse, sondern auch im Interesse der anderen Vereine in der Liga. In der nächsten Saison werden wir dann wohl kaum Regionalliga spielen, denn dort ist der Spielbetrieb ähnlich teuer wie in der Zweiten Liga. Mit einem Neubeginn kann dann wohl eher in der Oberliga gerechnet werden.

Wie war die Reaktion des Trainers und der Mannschaft auf die Hiobsbotschaft?

Stephan Neitzel:
Die Mannschaft, der Trainer und ich wurden gestern Abend vom Vorstand unterrichtet, dass der Gang zum Amtsgericht ansteht. Natürlich herrschte große Betroffenheit. Heute Abend um 19:30 Uhr hat dann aber Herr Schulte, der Insolvenzverwalter, mit der Mannschaft gesprochen und mit ihr die Perspektiven erörtert. Dabei hat er mitgeteilt, dass die sportliche Perspektive und auch die Spielergehälter bis Ende März sicher sind. Das hat die Mannschaft natürlich erst einmal erleichtert aufgenommen. Und im Team bestand auch der Wille, sich jetzt trotz der schwierigen Situation nicht hängen zu lassen.

Wenn denn die jetzige Situation so plötzlich kam, gab es also als Vorwarnung noch keine fehlenden Spielergehälter?

Stephan Neitzel:
Die Spielergehälter für den Monat Dezember sind komplett bezahlt. Für den Januar noch nicht. Aber wie schon erwähnt, gesichert sind sie bis März.

Wie ist die Gesellschafterstruktur der HSG A/H Musketiere Lopshorn Spielbetriebs- u. Marketing GmbH & Co KG? Denn die Gesellschafter sind ja diejenigen, die nun, wenn auch nur im begrenztem Ausmaß, Geld verlieren.

Stephan Neitzel:
Neben einigen Einzelpersonen besteht die Gesellschafterseite auch aus den Vereinen HC Hövelhof und TUSG Augustdorf. Diese Vereine haben 1994 die HSG gegründet. Aber das muss man nüchtern betrachten. Durch die Rechtsform ist der finanzielle Schaden für die Vereine gering. Wichtig ist mir, festzustellen, das der Amateurbereich in keinster Weise finanziell betroffen ist. Dort werden die finanziellen Möglichkeiten wie bisher gewährleistet und durch die Insolvenz des Bundesligabereichs nicht geschmälert. Das muss deshalb so deutlich erwähnt werden, dass nicht unbegründet Unruhe in unserem Amateurbereich entsteht.

Herr Neitzel, wir danken für das Gespräch und wünschen Ihnen und der HSG, das sie die Saison in geordneten Bahnen zu Ende bringen können.

Quelle: www.handball-world.com (Ralf Steinhorst)

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